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Geschichte der Bibliothek des Georgianums

Herzog Friedrich (1763 – 1834, Regent von 1870 – 1826) begründete im Rahmen einer allgemeinen Schulreform das neue, auf der Ratsschule aufbauende Gymnasium, das am 30. April 1812 eröffnet wurde. Dessen erster Direktor wurde Friedrich Carl Ludwig Sickler.
 
Die Statuten dieses Gymnasiums beinhalteten zwei sehr interessante Paragraphen:
§11b
Jeder Neuaufzunehmende hatte 1 Rth in die Schulkasse als Beitrag zur Schulbibliothek zu entrichten.
§6
Jeder abgehende Schüler hat ein Buch hinein zu stiften.
 
Es wird vermutet, dass durch die Vermittlung Sicklers die im Entstehen begriffene Gymnasialbibliothek allerhöchste Förderung erhielt, indem ihr Werke aus der Hildburghäuser Schlossbibliothek zugänglich gemacht wurden. Den Grundstock der Gymnasialbibliothek bildeten Bände aus der jüngeren Schlossbibliothek, die dem Gymnasium bereits im Gründungsjahr von Herzog Friedrich überwiesen wurden. Es waren 166 Nummern mit 444 Bänden, die das „Verzeichnis der Werke, durch welche unser Durchlauchtigster gnädigst regierender Herzog und Herr aus der Herzoglich Sächsisch-Hilburghäusischen Schlossbibliothek der Hildburghäusischen Schulbibliothek gnädigst zu verleihen geruht haben.“ aufgeführt.:
z. B.
-    Ausgaben von Luthers Werken
-    44 Bände von Johann Georg Grävius
-    ein Exemplar des Zedlerschen Universallexikons
-    15 Bände von Baumgartens Allgemeiner Welthistorie
 
Es handelt sich dabei vorwiegend um lateinische Schriften, aber auch um einige Titel in französischer Sprache.
 
Aus besonderer Liebe zu seiner Geburts- und ehemaligen Residenzstadt überließ Herzog Friedrich in der Stiftungsurkunde vom 01. Februar 1828 die wertvolle Herzogliche Bibliothek und Naturaliensammlung den Hildburghäuser höheren Bildungsanstalten als „unveräußerliches Eigentum“. Da keine Einigung über die Bestreitung der Unterhaltskosten erzielt werden konnte, wurde die Sammlung verkauft, nachdem die Bibliothek „nach etwaigen für das Herzogtum wichtigen Urkunden und Büchern durchforscht und eine Anzahl Werke für Gymnasium und Seminar zurückbehalten wurde“. Der größte Teil der Schlossbibliothek wurde allerdings nach einem Landtagsbeschluss vom November 1886 nach Leipzig verkauft, 6700 Bände für 6050 Mark.
 
Im Jahre 1837 kam ein großer Teil der Sicklerschen Bücherei zur Gymnasialbibliothek und 1838 die Büchersammlung des Pfarrers Oberländer in Veilsdorf, ehemaliger Lehrer des Gymnasiums. Diese Sammlung umfasste 1688 Bände von älteren historischen, pädagogischen Werken und Klassikerausgaben.
 
Die Gymnasialbibliothek zählt 1844 622 Bände, im Jahre 1886 war sie auf 2000 angewachsen durch:
-    Geschenke von Herzog Georg von Sachsen-Altenburg
-    Geschenke von Leibarzt ... Hieronymie in Mecklenburg-Strelitz
-    Viele Schulbücher von Verlagsbuchhandlungen
-    „ab und zu Verehrungen von Schülern und Privaten“
 
Am 04. September 1877 wurde das neue Schulgebäude eingeweiht und erhielt den Namen „Gymnasium Georgianum“. Die Gymnasialbibliothek beinhaltete 1893 4885 Bände, und sie verfügte über einen Etat von 350 Mark.
 
Im Jahre 1922 vermachte Gymnasialprofessor Bruno Brandke seine umfangreiche Bibliothek der Schule und setzte das Lehrerkollegium als „Miterben“ ein.
 
1924 war der Bestand der Gymnasialbibliothek auf über 7000 Bände angewachsen. Neben der Lehrerbibliothek bestand auch eine Schülerbibliothek, zu deren Ergänzung und Erhaltung neben der Stadt auch die Schüler einen jährlichen Beitrag leisteten.
 
Da im Gymnasium und Lehrseminar das Musikleben besonders gepflegt wurde, befinden sich heute noch zahlreiche Noten aus der „Musikbibliothek“ im Bestand der Schulbibliothek (Archiv der Schule).
 
Die Bestände der Seminarbibliothek (3300 Bände der Lehrerbibliothek und 700 Bände der Schülerbibliothek) gelangten vermutlich in die Gymnasialbibliothek.
 
Seit dem Ende der 20er Jahre wurde diese scheinbar nicht weitergeführt, da über den weiteren Verlauf der Bibliotheksgeschichte keine gesicherten Informationen vorliegen. Ein Großteil der historischen Bände wurde wahrscheinlich während der 60er Jahre abgegeben, es ist nicht bekannt, wohin. Eine letzte Bestandsbereinigung soll m 1982 stattgefunden haben.
 
Seit dem 24. Juni 1992 trägt unsere Schule wieder den Namen „Gymnasium Georgianum“. Bis in die jüngste Gegenwart war das Arbeiten und Wirken in unserem Gymnasium von Unruhe und vielen Veränderungen geprägt. Mit der Eröffnung des Anbaus am 20. Februar 1997 zog mehr Ruhe und Kontinuität in unseren Schulalltag ein. Der Schulneubau ermöglicht es auch, dass die über Jahre hinweg „stillgelegte“ Gymnasialbibliothek wieder für Lehrer und Schüler zu einem aktiven Teil des Schullebens werden wird.
 
Die geretteten Restbestände der alten Gymnasialbibliothek sind in die neue Schulbibliothek integriert, die unterrichtsbegleitende und ergänzende Literatur aller Fachgebiete bereithält. Ein Teil des Buchbestandes ist Literatur aus dem ehemaligen pädagogischen Kreiskabinett. Viele Bände wurden von Herrn Herbert Voelkel aus Hildburghausen und von Frau Dr. Reuter an die Bibliothek gestiftet.
 
Am 12.03.1997 zählt unsere Bibliothek 5608 Bände, davon gehören 866 Bände (17,3%) zum historischen Buchbestand, 17. Jahrhundert – 1 Band, 18. Jahrhundert – 1 Band, 19. Jahrhundert – 864 Bände. Obwohl sich nur wenige Schriften aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert erhalten haben, vermittelt die Bibliothek anhand der Bücher anschaulich die reichen Traditionen Hildburghausens als „Stadt der Schulen“.